
Frühkindliche Reflexe verstehen
Während einige Kinder spielerisch lernen, sicher in ihrer Bewegung sind und mit großer Leichtigkeit durch den Alltag gehen, zeigt sich bei anderen schon früh, dass bestimmte Bereiche mehr Unterstützung brauchen.
Immer häufiger beobachten Eltern, Pädagog:innen sowie Fachkräfte in Schule und Kita, dass Kinder Schwierigkeiten beim Lernen, in der Motorik oder im Verhalten haben. Manche Kinder können Informationen nur schwer ordnen oder sich auf eine Aufgabe konzentrieren, andere wirken schnell ablenkbar, sind sehr unruhig oder zeigen unsichere, unkoordinierte Bewegungsabläufe. Solche Auffälligkeiten können Hinweise darauf sein, dass frühkindliche Reflexe noch nicht vollständig integriert sind.
Ursachen und Symptome:
Schon vor der Geburt sorgen automatische Bewegungsmuster dafür, dass sich das Nervensystem des Kindes entwickelt und wichtige Reifungsprozesse im Gehirn voranschreiten. Alle Babys kommen mit diesen frühkindlichen Reflexen auf die Welt. Mit zunehmendem Wachstum und der Entwicklung der bewussten Motorik sollten diese Reflexe jedoch nach und nach reduziert und in stabile Halte- und Stellreaktionen überführt werden.
Manchmal wird dieser natürliche Reifungsprozess gestört, etwa durch belastende Einflüsse während der Schwangerschaft, der frühen Kindheit oder aufgrund einer schwierigen Geburt. Dadurch können einzelne Reflexe teilweise bestehen bleiben und es zeigen sich sogenannte Restreaktionen. Sie sind meist nicht krankhaft, können aber dennoch die weitere Entwicklung erheblich beeinflussen.
Typische Folgen sind übersprungene oder nur teilweise ausgeprägte Bewegungsphasen im ersten Lebensjahr, die eigentlich wichtige Bausteine der sensomotorischen Entwicklung darstellen.
Solche Restreaktionen können sich später in Bereichen wie Motorik, Wahrnehmung, Lernen oder Verhalten zeigen. Auch Auffälligkeiten in der Sprachentwicklung können damit zusammenhängen. Viele dieser Kinder wirken träumerisch oder sehr unruhig, zeigen Anzeichen von ADS/ADHS, Ängste oder andere Verhaltensbesonderheiten. Bleiben schulische Erfolge aus, entsteht schnell ein belastender Kreislauf aus Frust und Unsicherheit.
Um nachvollziehbar zu machen, wie sich verbleibende frühkindliche Reflexe symptomatisch auf den Alltag eines Kindes auswirken können, lohnt sich ein Blick auf einige besonders einflussreiche Reflexe. Sie gehören zu denjenigen, deren fortbestehende Aktivität häufig deutliche Auswirkungen auf Motorik, Verhalten und schulische Fähigkeiten zeigt.
Furcht- Lähmungs Reflex
Was ist der Furcht- Lähmungs Reflex?
Der Furcht-Lähmungs Reflex ist ein sehr früher, bereits im Mutterleib angelegter (und im besten Fall auch gehemmter) Rückzugsreflex. Er zeigt sich immer dann, wenn der Körper eines Kindes auf einen Reiz trifft, der als potenziell gefährlich eingestuft wird. Besonders häufig wird er durch Berührung ausgelöst, aber auch plötzliche Lageveränderungen, Geräusche, optische Eindrücke, Gerüche oder Veränderungen der Tiefenwahrnehmung (wie z.B. Schmerzen) können diese Reaktion hervorrufen.
Wie zeigt sich der Furcht- Lähmungs Reflex?
Seine Aufgabe ist es, das Überleben zu sichern. Während der Moro Reflex den Körper in Alarm versetzt, sorgt der Furcht-Lähmungs Reflex für das Gegenteil: einen maximalen Rückzug in Form von „Freeze“ oder Erstarrung. Es handelt sich um eine primitive Schutzreaktion, die das Baby vor Überforderung bewahren soll und es dazu bringt, sich vollständig zurückzunehmen, wenn ein Reiz zu überwältigend wird.
Von außen wirkt die Auslösung des Reflexes, als würde der Körper erstarren oder sich kurzzeitig „abschalten“. Obwohl innerlich hohe Erregung vorhanden ist, werden Atmung, Puls und Bewegungen stark reduziert. Es ist eine Art tiefgreifende Schutzreaktion, die den Organismus auf ein Minimum herunterfährt.
Welche Auswirkungen haben Restreaktionen des Furcht-Lähmungs Reflexes?
Bleibt dieser Reflex über die frühe Entwicklungsphase hinaus aktiv, kann dies das gesamte emotionale Erleben beeinflussen. Viele Kinder wirken dann zurückhaltend, überfordert oder sehr sensibel. Nicht, weil sie schwach sind, sondern weil ihr Nervensystem schnell in einen inneren „Freeze“- Zustand gerät.
Typische Hinweise auf eine Persistenz können sein:
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Schockzustände oder „Eingefroren-Sein“ in Stresssituationen
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Unfähigkeit, schnell auf äußere Reize zu reagieren
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Ängste, Unsicherheitsgefühle und schnelles innerliches Aufgeben
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Reizüberflutung, bei der Kinder passiv überrollt werden und sich kaum abgrenzen können
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Konfliktvermeidung und übermäßige Anpassungsbereitschaft
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starke Abhängigkeit von Bezugspersonen
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ein ausgeprägtes Bedürfnis nach fester Routine, da Struktur Sicherheit vermittelt
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große Bestürzung, wenn Gewohnheiten oder Abläufe gestört werden
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eine ausgeprägte Hochsensibilität auf allen Sinneskanälen
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in schweren Fällen wird ein möglicher Zusammenhang mit plötzlichem Kindstod diskutiert
Kinder mit einem aktiven Furcht-Lähmungs Reflex wirken oft still, übervorsichtig oder zurückgezogen. Nicht, weil sie „schüchtern“ sind, sondern weil ihr Nervensystem schnell in den Schutzmodus geht und sie innerlich erstarren lässt.
Warum dieses Wissen Eltern entlasten kann?
Eltern kann es sehr entlasten zu wissen, dass solche Reaktionen nicht Willkür oder Temperament sind. Ein persistierender Furcht-Lähmungs Reflex bedeutet, dass das Kind neuromotorisch noch Unterstützung gebrauchen könnte, um Sicherheit, Selbstvertrauen und Flexibilität im Alltag entwickeln zu können. Die Entwicklungsförderung kann dabei helfen, diesen Reflex schrittweise zu integrieren und Kindern zu mehr innerer Stabilität und Selbstwirksamkeit zu verhelfen.

Moro Reflex
Was ist der Moro Reflex?
Der Moro Reflex gehört zu den frühesten Schutzmechanismen eines
Babys und kann über verschiedene Sinneskanäle ausgelöst werden. Er
wird auch als frühkindlicher Schreckreflex bezeichnet, da er eine
unbewusste Reaktion auf eine Bedrohung darstellt. Am häufigsten
reagiert ein Kind auf plötzliche Veränderungen der Körperlage, doch auch visuelle oder akustische Reize, Berührungen, Gerüche oder sogar Hunger können diese spontane Schreckreaktion hervorrufen. Dabei aktiviert der Reflex das autonome Nervensystem und sorgt dafür, dass der Körper blitzschnell auf eine mögliche Gefahr reagiert. Diese angeborene Reaktion spielt also eine wichtige Rolle dabei, das Baby zu schützen und auch unmittelbar nach der Geburt den ersten Atemzug auszulösen.
Wie zeigt sich der Moro Reflex?
Wird der Moro Reflex ausgelöst, streckt das Baby ruckartig die Arme nach außen, atmet scharf ein und reagiert nicht selten mit Weinen oder Unruhe. Für einen kurzen Moment befindet sich der gesamte Organismus im Alarmmodus mit angespannter Muskulatur, erhöhter Herzaktivität und sichtbarer Erregung. Diese Reaktion ist in den ersten Lebensmonaten völlig normal und Ausdruck eines noch sensiblen Nervensystems.
Welche Auswirkungen haben Restreaktionen des Moro Reflexes?
Ein persistierender Moro Reflex kann langfristig das emotionale und körperliche Gleichgewicht beeinflussen.
Restreaktionen wirken sich häufig auf das gesamte emotionale Profil eines Kindes aus. Viele betroffene Kinder wirken einerseits erstaunlich reif, weil sie vieles wissen oder sprachlich weit entwickelt sind, zeigen jedoch gleichzeitig ein eher unreifes Sozialverhalten.
Typische Hinweise auf einen persistierenden Moro Reflex können sein:
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Reizüberempfindlichkeit in einem oder mehreren Sinnesbereichen
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Überraschende Wutausbrüche oder plötzliches, unerklärliches Weinen
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Impulsivität, körperliche Unruhe oder emotionale Instabilität
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Muskelverspannungen
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Schlafprobleme
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Unsicherheitsgefühle und starkes Kontrollbedürfnis
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ein schwieriger Umgang mit Veränderungen: die betroffenen Kinder benötigen oft feste Abläufe und reagieren auf Neues oder Unbekanntes mit Stress
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intensive Kritikempfindlichkeit, Rückzug oder übermäßige emotionale Reaktionen auf scheinbar kleine Anlässe
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Schwierigkeiten, sich im Alltag "angemessen" zu verhalten, weil das Nervensystem ständig mit Reizfiltern und innerer Regulation beschäftigt ist
Viele Kinder entwickeln im Laufe der Zeit eigene Strategien, um sich zu schützen: Sei es durch Rückzug, heftige Gefühlsausbrüche oder ein Verhalten, das stark von Kontrolle und Vorsicht geprägt ist.
Warum dieses Wissen Eltern entlasten kann?
Das Verständnis über den Moro Reflex hilft Eltern zu erkennen, dass bestimmte Verhaltensweisen ihres Kindes nicht Ausdruck von Trotz oder Ungehorsam sind, sondern ein Hinweis auf ein Nervensystem, das noch Zeit und Unterstützung benötigt. Ein persistierender Reflex ist keine „Charakterschwäche“, sondern erklärt, warum ein Kind schneller überfordert ist oder intensiver reagiert.
Die neuromotorische Entwicklungsförderung bietet hier wertvolle Unterstützung und begleitet Kinder dabei, mehr innere Sicherheit, Stabilität und emotionale Ausgeglichenheit zu entwickeln.

Tonischer Labyrinth Reflex (TLR)
Was ist der Tonische Labyrinth Reflex (TLR)?
Der Tonische Labyrinth Reflex begleitet ein Baby von Anfang an und bildet die Grundlage dafür, den eigenen Körper im Raum wahrzunehmen. Beugt sich der Kopf nach vorne (TLR vorwärts), zieht sich der Körper ebenfalls zusammen und beugt sich. Wird der Kopf in den Nacken gestreckt (TLR rückwärts), fördert dies die Aufrichtung aus der Beugung heraus und der Körper geht in die Streckung. Ein wichtiger Schritt, um später sicher gegen die Schwerkraft stehen und sich bewegen zu können.
Der TLR unterstützt somit die Entwicklung des Gleichgewichtssinns, vermittelt erste räumliche Wahrnehmungen und gleichzeitig hilft er beim Aufbau des Beuge- und Streckmuskeltonus. Er ist auch für den Geburtsvorgang bedeutsam.
Welche Auswirkungen haben Restreaktionen des Tonischen Labyrinth Reflexes?
Bleibt der Tonische Labyrinth Reflex (TLR) über seine natürliche Entwicklungsphase hinaus bestehen, kann das die weitere Reifung des Kindes auf mehreren Ebenen beeinflussen. Viele Kinder haben dann Schwierigkeiten, ihren Körper sicher zu steuern, Bewegungen zu koordinieren oder sich zuverlässig im Raum zu orientieren. Diese Unsicherheiten entstehen, weil der TLR grundlegende Halte- und Stellreaktionen beeinflusst: Wird er nicht vollständig integriert, kann sich eine stabile Kopfkontrolle nur eingeschränkt entwickeln.
Das wirkt sich wiederum direkt auf die Augenmuskulatur und den wichtigen Austausch zwischen Gleichgewichtssystem und Blicksteuerung aus. Das Gehirn erhält unklare Signale darüber, wo der Körper sich im Raum befindet und dies führt zu einem wackeligen Gleichgewicht und unsicheren Bewegungsabläufen.
Solch ein instabiles Fundament zeigt sich nicht nur motorisch, sondern auch im schulischen Alltag: Kinder, deren Gleichgewichtssystem nicht zuverlässig arbeitet, haben nachweislich häufiger Schwierigkeiten im Schulalltag, weil viele Lernprozesse eine gute Balance, stabilere Augenbewegungen und eine sichere Körperorientierung erfordern.
Mögliche Anzeichen für Restreaktionen des TLR sind:
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Schwierigkeiten im Gleichgewicht
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unpassende Muskeltonusansteuerung (z. B. Zehenspitzengehen oder sehr steife Körperhaltung)
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Schwierigkeiten in der Seh-, Hör- und Raumwahrnehmung
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beeinträchtigte Halte- und Stellreaktionen
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Probleme in der Augenbeweglichkeit (z. B. aufgrund mangelnder Kopfkontrolle und eines gestörten vestibulo-okulären Reflexbogens)
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unsichere räumliche und zeitliche Orientierung
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„Lost in time and space“: Struktur, Ordnung und Pünktlichkeit fallen schwer
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Probleme beim Erlernen der Zeigeruhr und der zeitlichen Einordnung von Abläufen
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Schwierigkeiten bei Laut- und Buchstabenunterscheidung (z. B. b/d, 23/32, links/rechts)
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beeinträchtigtes Krabbeln, was die Koordination von Augen, Gleichgewicht und Bewegung stören kann
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tollpatschige Bewegungsmuster wie häufiges Anstoßen, Umkippen oder Fallenlassen von Gegenständen durch irritierende Rückmeldung der eigenen Lage im Raum
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schulische Schwierigkeiten (besonders in Mathematik)
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geringe Eigenmotivation und schwache Selbstorganisation
Besondere Restreaktionen des TLR vorwärts
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eine eher runde oder instabile Körperhaltung
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geringe Muskelspannung
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wenig Freude an Sport und Bewegung
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schlechtes Zeitgefühl und eingeschränkte räumliche Orientierung
Besondere Restreaktionen des TLR rückwärts
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steife Haltungs- oder Bewegungsmuster, eventuell Zehenspitzengehen
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Schwierigkeiten mit Balance, Koordination und Bewegungsfluss (z. B. Purzelbaum)
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ruckartige, wenig geschmeidige Bewegungen
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Probleme, sich gut zu organisieren oder Aufgaben strukturiert anzugehen
Warum dieses Wissen Eltern entlasten kann?
Für viele Eltern ist es eine große Erleichterung zu erfahren, dass bestimmte Schwierigkeiten ihres Kindes nicht an fehlender Motivation oder Erziehung liegen, sondern an neurologischen Prozessen, die noch etwas Unterstützung brauchen. Dieses Verständnis nimmt sofort Druck aus dem Alltag und öffnet den Blick für das, was wirklich dahintersteckt. Wenn klar wird: „Mein Kind macht das nicht absichtlich, sein Nervensystem ist einfach noch nicht so weit“, entsteht Mitgefühl, Ruhe und neue Zuversicht.
Genau hier kann die neuromotorische Entwicklungsförderung nach INPP® ansetzen. Sie bietet einen sanften, klar strukturierten Weg, um das Nervensystem Schritt für Schritt zu stärken, ein gesundes Gleichgewicht aufzubauen und dem Kind mehr innere Sicherheit, Balance und Stabilität zu ermöglichen, damit das gemeinsame Familienleben wieder leichter und entspannter werden kann und auch die schulischen Anforderungen mit mehr Leichtigkeit erlebt werden können.


Asymmetrisch tonischer Nackenreflex (ATNR)
Was ist der Asymmetrisch tonische Nackenreflex (ATNR)?
Der ATNR wird ausgelöst, sobald der Kopf eines Babys zur Seite gedreht wird. In diesem Moment strecken sich Arm und Bein der Gesichtsseite automatisch, während sich die Gliedmaßen auf der abgewandten Seite beugen. Eine typische Haltung, die oft als „Fechterstellung“ beschrieben wird. Dieser Reflex erfüllt in den ersten Lebensmonaten wichtige Aufgaben: Er unterstützt den Geburtsprozess, fördert einseitige Bewegungen, sorgt in Bauchlage für freie Atemwege und bildet die Grundlage für die frühe Zusammenarbeit von Augen und Händen. Durch die Kopfdrehung lernt das Baby, den Blick zu fixieren und die Hände zu entdecken, ein wichtiger Baustein für die spätere Hand-Augen-Koordination und bilaterale Integration.
Welche Auswirkungen haben Restreaktionen des Asymmetrisch tonischen Nackenreflexes?
Wenn der ATNR über die natürliche Waltezeit hinaus aktiv bleibt, kann er sich im Alltag deutlich bemerkbar machen. Besonders herausfordernd ist dann das Überkreuzen der Körpermittellinie: Tätigkeiten wie den Reißverschluss schließen, Schleifen binden oder beim Schreiben von links nach rechts über das Blatt gehen, fallen schwer. Auch das Lesen kann neben dem Schreiben beeinträchtigt sein, da die Koordination von Augen-, Kopf- und Handbewegungen nicht zuverlässig funktioniert.
Viele Kinder zeigen bei Restreaktionen des ATNRs typische Begleiterscheinungen:
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Der Kopf lässt sich nicht unabhängig vom Körper bewegen, sodass sie anderen leicht „vor die Füße laufen“ oder beim Fahrradfahren ungewollt lenken
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Das Überqueren der Mittellinie gelingt nur schwer oder wird ganz vermieden
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Die Augenmuskulatur arbeitet nicht sicher genug, was die visuelle Wahrnehmung beeinträchtigt
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Bewegungen wirken eher einseitig und nicht wie die üblichen Kreuzmusterbewegungen, manchmal wechselt sogar die Händigkeit
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Kinder haben Schwierigkeiten, in unlinierte Zeilen zu schreiben, der Stift rutscht weg, wenn gleichzeitig der Blick ins Buch wandert
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Die Stifthaltung ist oft verkrampft oder zu druckvoll
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Lese- und Rechtschreibprobleme sowie ein erschwertes Erlernen der Schreibschrift sind typische Folgen
Warum dieses Wissen Eltern entlasten kann?
Der ATNR zeigt eindrucksvoll, wie eng motorische Entwicklung, visuelle Fähigkeiten und schulisches Lernen miteinander verbunden sind und wie wichtig es ist, diesen Reflex rechtzeitig zu integrieren. Die neuromotorische Entwicklungsförderung bietet hier wertvolle Unterstützung und begleitet Kinder dabei beidseitige Bewegungsabläufe zu harmonisieren und dadurch die Grundlage für leichteres Lernen und mehr Sicherheit im Alltag zu schaffen.

Symmetrisch tonischer Nackenreflex (STNR)
Was ist der Symmetrisch tonische Nackenreflex (STNR)?
Dieser Reflex unterstützt einen wichtigen Entwicklungsschritt auf dem Weg zu Aufrichtung und Koordination.
Der Symmetrisch tonische Nackenreflex (STNR) wird ausgelöst, wenn sich der Kopf nach vorne oder hinten bewegt. Beugt ein Baby den Kopf zur Brust, ziehen sich automatisch die Arme zusammen und die Beine strecken sich. Wird der Kopf in den Nacken gehoben, geschieht das Gegenteil: Die Arme strecken sich, während die Beine gebeugt werden.
Dieser Reflex spielt eine zentrale Rolle, wenn es darum geht, die Schwerkraft weiter zu überwinden und den Körper auf die nächste Entwicklungsphase vorzubereiten. Der STNR unterstützt das Kind dabei, in den Vierfüßlerstand zu kommen, das Krabbeln zu erlernen und beide Körperhälften zunehmend unabhängig voneinander zu nutzen. Gleichzeitig trainiert er die Fähigkeit, Entfernungen einzuschätzen und den Blick beim Annähern von Objekten korrekt zu fokussieren, eine wichtige Grundlage für spätere schulische Fähigkeiten.
Welche Auswirkungen haben Restreaktionen des Symmetrisch tonischen Nackenreflexes (STNR)?
Ist der STNR über seine natürliche Waltezeit hinweg noch vorhanden, kann das den Alltag eines Kindes spürbar beeinflussen. Viele der folgenden Auffälligkeiten hängen damit zusammen, dass Kopf-, Augen- und Körperbewegungen nicht zuverlässig koordiniert werden können. Kinder suchen dann unbewusst nach Wegen, ihren Körper zu stabilisieren. Häufig durch Bewegungsmuster, die ihnen kurzzeitig helfen, langfristig aber anstrengend sind und eine erneute Bewegung ausgelöst wird - der berühmte "Zappelphilipp"
Häufig zeigt sich:
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Kinder krabbeln gar nicht oder nur sehr kurz, was eine wichtige Vernetzungsphase des Gehirns verkürzt.
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Die Körperhaltung ist oft instabil, besonders beim Sitzen. Viele Kinder rutschen, zappeln, lümmeln, sitzen im W-Sitz oder schlingen die Beine um die Stuhlbeine, um Halt zu finden.
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Der Kopf sinkt beim Schreiben, Lesen oder Essen immer weiter nach unten, als könne das Kind ihn nicht gut halten.
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Das Schwimmenlernen fällt schwer, weil die Koordination zwischen Armen und Beinen beim Atemholen durcheinander gerät.
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Es gibt Probleme, den Blick zu fokussieren oder Entfernungen richtig einzuschätzen.
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Konzentration fällt schwer, Gedanken und Gefühle lassen sich oft nicht gut miteinander verknüpfen.
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Beim Abschreiben von der Tafel oder beim Zurückfinden in die richtige Zeile im Buch zeigen sich deutliche Schwierigkeiten.
Warum dieses Wissen Eltern entlasten kann?
Zu verstehen, dass innere Unruhe, Konzentrationsschwierigkeiten oder auffällige Sitzhaltungen durch einen noch aktiven STNR verursacht sein können, nimmt vielen Eltern bereits enormen Druck. Plötzlich wird klar: „Mein Kind macht das nicht absichtlich, sein Nervensystem braucht noch Unterstützung und ist für die Unruhe verantwortlich.“ Dieses Wissen schafft Mitgefühl, Ruhe und eine neue Form von Verständnis.
Die neuromotorische Entwicklungsförderung nach INPP® setzt genau an dieser Stelle an. Durch ein individuell abgestimmtes Übungsprogramm wird das Nervensystem Schritt für Schritt gestärkt und stabilisiert. Dadurch finden Kinder zu mehr innerer Ruhe, können sich besser konzentrieren und ihren Körper im Alltag sicherer steuern. Eine spürbare Entlastung für das Kind und die ganze Familie.


Warum die Integration frühkindlicher Reflexe so wichtig ist?
Frühkindliche Reflexe folgen einem natürlichen Entwicklungsrhythmus: Sie treten in einer bestimmten Reihenfolge auf, erreichen jeweils eine Phase besonders hoher Aktivität und werden anschließend allmählich abgebaut oder in weiterführende Haltungs- und Bewegungsmuster überführt. Dieser Ablauf ist bei allen gesunden Kindern ähnlich und zeigt, dass das zentrale Nervensystem reift und sich Schritt für Schritt organisiert.
Bleiben einzelne Reflexe länger bestehen, kann das kindliche Nervensystem diese meist ein Stück weit ausgleichen. Das bedeutet: Obwohl ein Reflex eigentlich Bewegungen auslöst (etwa das Mitbewegen von Armen und Beinen bei einer Kopfwendung) gelingt es anderen Gehirnarealen oftmals, diese Reaktion teilweise zu unterdrücken.
Dadurch entsteht eine zusätzliche Belastung, denn das Kind muss unbewusst Energie aufwenden, um die ungewollten Impulse zu kontrollieren. Es wird Aufmerksamkeit gebunden, die eigentlich für die Umwelt, Lernprozesse, Konzentration oder motorische Aufgaben benötigt wird. Auf Dauer kann dies deshalb zu spürbaren Anstrengungen im Alltag oder beim Lernen führen.
Mit Hilfe des vom Institut für Neurophysiologische Psychologie (INPP) entwickelte Förderprogramm kann ich Ihren Kindern dabei helfen, ihre Entwicklung besser zu entfalten und ihre eigenen Fähigkeiten voll auszuschöpfen.
Wenn Sie auf diesen Seiten Merkmale entdecken, die Sie bei Ihrem Kind wiedererkennen und nach einem wissenschaftlich fundierten Weg suchen, der nicht nur Symptome, sondern die zugrunde liegenden Entwicklungen berücksichtigt, unterstütze ich Sie gern.